Liebe Schwestern und Brüder in Christo,
in diesem Jahr kamen und kommen doch eine nicht geringe Anzahl unserer Zugvögel später als in den Jahren zuvor. Ob dies der Kürzung der visumsfreien Aufenthaltsdauer, dem nicht enden wollenden Starkregen oder den gestiegenen Lebenshaltungskosten in D A CH geschuldet ist, werden wir am Ende der Hauptsaison 26/27 sorgfältig analysieren. Unabhängig davon konnten wir auch in diesem Jahr mit zahlreichen Gästen ein schönes Oktoberfest im Begegnungszentrum feiern.
Gemeinsam mit Pastoralreferentin Beate, die aktuell den noch in Deutschland weilenden neuen Pater Stephen vertritt, haben wir am 17.10. einen ökumenischen Gottesdienst mit der Katholischen Gemeinde im Begegnungszentrum Pattaya gefeiert.
Des Weiteren haben unsere Konfirmanden Helen und Adrian ihre einjährige Konfizeit erfolgreich abgeschlossen und werden von mir im Gottesdienst am 15.11. konfirmiert. Alle sind herzlich eingeladen dabei zu sein , wenn zwei junge Menschen sich in freier Entscheidung zum christlichen Glauben bekennen.
Auch im November erwartet unsere Besucher einiges an Programm. Zum einen unsere jährliche Backaktion, zu der wieder viele helfende Hände erwartet werden. Platzl backen ist immer eine Reise in die Kindheit und der Erlös wird dringend für den Erhalt und Betrieb des BZP benötigt. Wir treffen uns am 19.11. ab 10.00 Uhr in der Weihnachtsbäckerei des BZP.
Und am 21.11. laden Rio und DJ Thomas zum 3. Kessel Buntes ein, wo euch wieder ein abwechslungsreicher Abend mit guter Laune, Musik und Tanz erwartet.
Ich wünsche allen, wo auch immer ihr gerade seid, eine gute Zeit. Bleibt stabil und behütet, man sieht sich im Begegnungszentrum.
In diesem Sinne sendet liebe Grüße, Pastor Peter
Martin von Tours - Soldat und Christ
Martin von Tours (* um 316/317 im heutigen Ungarn; † 397 in Candes bei Tours im heutigen Frankreich), ist in der Tradition der katholischen Kirche einer der bekanntesten Heiligen, wird aber auch in den orthodoxen, anglikanischen und evangelischen Kirchen verehrt.
Weil sein Vater Offizier war, musste auch er, den Sitten der Zeit folgend, ebenfalls Soldat werden. Er wurde bald zum Offizier befördert und gehörte zur Garde der Elitesoldaten, die mit den schwierigsten und gefährlichsten Missionen betraut wurden. Um 334 nC war Martin in Amiens in Gallien, dem heutigen Frankreich, stationiert, wo die Germanen die Römer zu besiegen drohten. In dieser Zeit bereitete sich Martin auf den Empfang der Taufe vor, denn er war noch kein Christ. Und zu genau dieser Zeit passierte auch das, wovon heute noch Klein und Groß erzählen und singen: Als Martin an einem bitterkalten Winterabend zum Stadttor kam, traf er auf einen fast nackten und halb erfrorenen Bettler, an dem alle achtlos vorbeihasteten. Martin hatte kein Geld und kein Brot, um in dieser Not zu helfen. Aber er nahm kurz entschlossen seinen Militärmantel, einen warmen Wollumhang, und teilte ihn mit dem Schwert in zwei Teile. Die eine Hälfte gab er dem Bettler, der sich damit wärmen konnte.
Wie immer gab es auch Leute, die über Martin und seinen halben Mantel lachten. Und auch seine Vorgesetzten machten ihm mächtig Ärger. Sie bestraften ihn wegen Beschädigung von Militäreigentum. Aber Martin nahm das hin, weil er wusste: Er hatte einem Menschen das Leben retten dürfen. Bis hierhin war das Ganze eine gute Tat. Aber es wurde noch zu viel mehr. Denn in der Nacht hatte Martin einen Traum. Ihm erschien Jesus inmitten seiner Engel. Und Jesus trug den halben Mantel Martins und zeigte auf ihn und sagte: „Martin, der noch nicht getauft ist, hat mich mit diesem Mantel bekleidet.“ Da begriff Martin, dass er richtig gehandelt hatte. Er hatte den Bettler so behandelt, wie er Jesus selbst behandelt hätte. Damit hatte er wie ein Christ gehandelt, der von Jesus selbst weiß: „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“ (Mt 5,40). Der Bettler war also Jesus selbst gewesen!
Martin ließ sich taufen und trat bald aus der Armee aus und wurde Priester. Er baute als erster Christ in Gallien ein Kloster und sammelte Männer um sich, die wie er als Mönch leben wollten. Mit ihnen lebte er vor, wie ein Christ leben soll: persönlich anspruchslos, dem Nächsten gegenüber liebevoll und hilfsbereit, und als Mönch warb er für seinen Glauben. Als der damalige Bischof von Tours starb, sagten sich die Menschen: Es gibt keinen würdigeren Nachfolger als Martin. Aber die Bischöfe der Umgebung hatten einen anderen Kandidaten. Jedoch die Christen setzten Martin durch, weil er durch sein Leben in Einfachheit für sie überzeugender war als alle Gegenkandidaten. Martin wurde 371 nC ein tatkräftiger, überzeugender Bischof, der sich nicht hinter seinem Amt versteckte, sondern sich für die Armen und Kleinen, die Entrechteten und Unterdrückten stark machte.
Von der Lichterprozession zum Laternenumzug
Martin starb 397 nC nach einem langen und anstrengenden Leben im Alter von etwa 80 Jahren. Er wurde schon unmittelbar nach seinem Tod als Heiliger verehrt. Zahlreiche Legenden rankten sich um sein Leben. Martins Mantelteil wurde als Reliquie verehrt und als Siegeszeichen in die Kriege mitgeführt. Das Königsgeschlecht der Merowinger machte Martin zu seinem Hausheiligen, dem es überall neue Kirchen weihte. Auf sie gehen die uralten Martinskirchen im Nordwesten und Südwesten Deutschlands zurück. Und weil man Martins Gedächtnis in der Kirche mit einer Lichterprozession am Vorabend des Festes feierte, übernahmen die Menschen die Lichtsymbolik auch außerhalb der Kirche: Martinsfeuer, gutes Essen und Trinken wurden zum Brauch. Und wo gut gegessen und getrunken wird, haben auch die Kleinen und Jungen ein Recht: das „Heischrecht“, d. h. sie dürfen heischen, grapschen, schnörzen oder wie es noch anders heißt. Und dabei wird natürlich gesungen. Belohnt wird beim Heischen, wer von Martin erzählen kann und damit begründet, warum er als „Geringster“ etwas bekommen soll. Die ganz Cleveren wissen noch mehr: Sie teilen das Gesammelte mit denen, die nicht heischen können und nichts bekommen, denen es nicht so gut geht.
Und weil sie teilen, ziehen sie nicht nur im Martinszug hinter dem heiligen Martin her, sondern sie folgen ihm in ihren Taten nach: Wie Martin teilen sie mit Bedürftigen. Mehr als 1600 Jahre nach Martins Tod wirkt seine gute Tat noch nach. Wenn das kein Beispiel zum Nachahmen ist!
Humor I
Ein Mann geht zum Pfarrer und fragt: “Sagen Sie mal, ist es eine Sünde am Sonntag Golf zu spielen?” - “Antwortet der Pfarrer: So wie Sie spielen ist es immer eine Sünde.”
Träume - Gottes Rede in der Nacht?
Welche Bedeutung haben Träume? Zeigen sich in ihnen Botschaften, die wir am Tag nicht wahrnehmen? Enthalten sie Wahrheiten, die das Potenzial haben, unser Leben zu verändern? Sind es womöglich sogar göttliche Botschaften? Oder sind Träume einfach nur flüchtige Trugbilder, die bestenfalls ohne Bedeutung sind und schlimmstenfalls in die Irre führen? Die Menschen in der Antike kannten diese Fragen und gaben ganz unterschiedliche Antworten darauf. Und auch unter den biblischen Autoren sind einige überzeugt, dass Gott sich im Traum offenbart, während andere dies strikt ablehnen. Marc Chagall hat in zwei Gemälden nächtliche Begegnungen des biblischen Ahnvaters Jakob mit JHWH aufgegriffen: den Kampf am Jabbok und die Vision von den Gottesboten auf der Himmelsleiter. Traum, Vision und göttliche Offenbarung gehen ineinander über. Beide Erlebnisse verändern nach dem biblischen Zeugnis Jakobs Leben, denn er versteht sie als Kontakt mit Gott. Welche Bedeutung also haben die Erfahrungen der Nacht? Die Frage bleibt.
Die Wissenschaft ist sich sicher: Jeder Mensch träumt. Wer meint, er träume nie, wie es Immanuel Kant von sich behauptete, kann sich lediglich nicht mehr an seine Träume erinnern. Auch das weiß man heute. Dabei ist Träumen nicht einmal etwas spezifisch Menschliches. Soweit man weiß, träumen auch fast alle anderen Höheren Säugetiere, die Beuteltiere und alle Vögel. Aber was ist Träumen überhaupt? Lassen sich Träume mithilfe empirischer Wissenschaften beschreiben und erklären, vielleicht sogar deuten? Wer naturwissenschaftlich über Träume reden möchte, muss vorab einige Begriffe klären, um sich bewusst zu machen, über was er überhaupt reden kann und was aus methodischen Gründen oder prinzipiellen Erwägungen außerhalb seines Erkenntnisvermögens liegt. Träumen – so lautet eine gängige Definition – ist die „psychische Aktivität während des Schlafens“. Unter einem Traum versteht man „sensomotorische Halluzinationen mit narrativer Struktur“, also jene filmähnlichen Sequenzen, die sich vor dem inneren Auge des Schlafenden zutragen. Andere bezeichnen ihn als eine Form von Wahnsinn. Von einem Traum können Außenstehende nur erfahren, wenn der erwachte Träumer von ihm berichtet, also aufgrund seiner Traumerinnerung einen Traumbericht abgibt. Mit empirischen Methoden lassen sich Erkenntnisse nur über den Traumbericht und – das ist schon etwas diffiziler – über die Tätigkeit des Träumens gewinnen. Die Träume selbst aber entziehen sich dem Zugriff des Forschers; wir werden wohl nie in der Lage sein, einen Traum sozusagen in Live-Schaltung auf einen Bildschirm zu projizieren. In der Tat: Das größte Problem in der Traumforschung ist, dass das Träumen während des Schlafens geschieht. Will man dem Träumen auf die Spur kommen, so muss man sich also auch und zuerst mit dem Schlafen beschäftigen. Der Schlafvorgang besteht im Wesentlichen aus zwei einander abwechselnden Phasen, die sich zusammen über ca. 90 Minuten erstrecken und dann wiederholen. Die REM-Phase ist danach benannt, dass sich die Augen des Schlafenden unter den Liddeckeln schnell bewegen (REM = Rapid Eye Movement), was mit dem Elektrookulogramm (EOG) gemessen wird. Die schnellen Augenbewegungen korrelieren mit einem charakteristischen Verlauf der Elektroenzephalogramm-Kurve (EEG-Kurve), die die Gehirnaktivität grafisch darstellt. Das heißt: Während der REM-Phase gibt es eine typische Gehirnaktivität, anhand derer man erkennen kann, dass ein Proband gerade im REM-Schlaf ist. Auffällig ist, dass die Augen das Einzige sind, was sich während der REM-Phase von außen beobachtbar bewegt. Die Skelettmuskulatur ist vollkommen entspannt („REM-Lähmung“); aktiv hingegen sind vegetativ gesteuerte Organe und Funktionen (Atmung, Herz, Blutdruck, Adrenalinausschüttung).
Die andere Phase des Schlafens ist die Non-REM-Phase. Hier bewegen sich die Augen nicht, dafür ist die Skelettmuskulatur so aktiv, dass Phänomene wie Schlafwandeln und Sprechen im Schlaf auftreten können. Dachte man nach der Entdeckung der beiden Phasen in der Mitte des 20. Jh. noch, dass man nur in der REM-Phase träume, so weiß man heute, dass auch die Non-REM-Phase traumaktiv ist. Der Tiefschlaf – auch hier wird geträumt, doch nur hier treten Schlafwandeln und -sprechen auf – findet während eines Teils der Non-REM-Phase statt. Die Träume der beiden Phasen unterscheiden sich in ihren Inhalten und in ihrer Qualität. So sind REM-Schlaf-Träume eher emotional, bizarr und bildhaft, während Non-REM-Schlaf-Träume wirklichkeitsnäher, weniger emotional, eher verbal und scheinbar rational sind. Der REM-Schlaf ist aber traumreicher als der Non-REM-Schlaf.
Wie lassen sich Träumen und Träume erforschen?
Trotz moderner Messinstrumente wie EEG und EOG lässt sich nicht exakt bestimmen, wann jemand träumt und wie lange er träumt. Schlaf- und Traumforscher sind gezwungen, ihre schlafenden Probanden aufzuwecken, um sich dann von ihnen sagen zu lassen, ob sie gerade geträumt haben. Wurde der Proband während des Träumens aufgeweckt, ist die Erinnerung an den Traum meist noch sehr lebendig und er kann einen Traumbericht zu Protokoll geben, selbst protokollieren oder einen Fragebogen ausfüllen. Solche Fragebögen erfassen nicht nur Trauminhalte, sondern auch die beim Träumen empfundenen Emotionen. Bemerkenswert ist, dass es in Bezug auf Trauminhalte signifikante Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt. So tauchen bei Frauen sowohl mehr Personen als auch mehr Objekte im Traum auf als bei Männern, der Traum findet eher in geschlossenen Räumen statt und sie träumen (tatsächlich!) mehr von Kleidung und Haushaltsartikeln als Männer. Männer hingegen haben vermehrt Outdoor-Träume, zugleich sind sowohl aggressive als auch sexuelle Traumhandlungen deutlich häufiger als bei Frauen. Eine Besonderheit stellen luzide Träume oder Klarträume dar. Wer luzide träumt, ist sich bewusst, dass er träumt, ja mehr noch: Er kann in die Traumhandlung eingreifen. Luzides Träumen kann nur im REM-Schlaf stattfinden und ist erlernbar. Es bietet dem Traumforscher Möglichkeiten, mit dem Träumenden zu kommunizieren; z. B. kann vor dem Einschlafen verabredet werden, dass der Träumer bestimmte mit dem EOG feststellbare Augenbewegungen vollführt, um anzuzeigen, dass er gerade träumt oder dass eine gute Gelegenheit wäre, ihn aufzuwecken, um über den Traum zu reden. Auch bei der Behandlung von Albträumen ist luzides Träumen hilfreich. Weil der Träumer mit den handelnden Personen seines Traums bewusst in Kontakt treten kann, wird luzides Träumen darüber hinaus in der Psychotherapie eingesetzt. Jemand, der des luziden Träumens fähig ist, wird „Oneironaut“ genannt (ὄνειρος = Traum; ναύτης = Seefahrer).
Haben Träume eine Bedeutung?
„Eine große Halle – viele Gäste, die wir empfangen. – Unter ihnen Irma, die ich sofort beiseite nehme, um gleichsam ihren Brief zu beantworten, ihr Vorwürfe zu machen, daß sie die ‚Lösung‘ noch nicht akzeptiert.“ – So beginnt Sigmund Freuds Bericht über einen seiner eigenen Träume. Er träumte ihn in der Nacht vom 23. auf den 24. Juli 1895, und dieser Traum gilt als der Mustertraum der Psychoanalyse: Freud deutet „Irmas Injektion“, wie der Traum in Anlehnung an sein Ende genannt wird, in der Folgezeit in mehreren Anläufen in seinem Entwurf einer Psychonogie. Wegweisend aber sollte der wenige Jahre später im November 1899 erschienene Band “Die Traumdeutung” werden. Dieses gut 600 Seiten starke Opus wird zu einem der grundlegenden psychoanalytischen Werke Freuds und prägt die Psychoanalyse bis heute.
Der Glaube, dass Träume gedeutet werden könnten, ist vielleicht so alt wie die Menschheit. Die beiden Josefs des Alten und des Neuen Testaments können hierfür als literarische Kronzeugen aufgerufen werden, wenngleich in der Bibel deren Träume weniger als Aussage über Existenz und Seelenleben des Träumers gedeutet als vielmehr als Weissagung über die Zukunft verstanden werden (Oneiromantie). In der Moderne aber ist Traumdeutung unlösbar mit dem Namen desjenigen verbunden, der „Irmas Injektion“ geträumt hat. Bei einem Nachdenken gelangt Freud zu der Einsicht, dass alle Träume Wunschträume seien, dass sie also Wünsche widerspiegelten. Dies können bewusste Wünsche sein, unerledigte Wünsche, Wünsche, die einen im Schlaf überkommen (sexuelles Verlangen, Hunger usw.) oder unbewusste Triebregungen. Gemeinsam aber ist diesen Wünschen, dass selbst der schlafende Träumer sie noch fürverboten oder anstößig hält und dass sie deswegen im „manifesten Traum“ von anderen Inhalten überlagert oder kaschiert werden. Aufgabe des traumdeutenden Psychoanalytikers ist es nun, den von Freud so genannten „Traumzensor“ zu überlisten und die solcherart zensierten Wünsche des „latenten Traums“ freizulegen.
… oder haben sie eine Funktion?
Dem französischen Traumforscher Michel Jouvet gelang es in den 1950er-Jahren, das Gehirn von Katzen so zu manipulieren, dass während des REM-Schlafs die REM-Lähmung aufgehoben wurde. Was er an seinen schlafenden Katzen beobachtete, war äußerst beeindruckend: Sie sprangen mit geöffneten Augen im Schlaf auf, schlugen ihre Krallen und Zähne in eine offenbar geträumte Maus, gingen in Lauerstellung oder legten Fluchtverhalten an den Tag. Wenn Jouvet sich ihnen näherte und sogar seine Hand auf ihre offenen Augen zubewegte, nahmen sie ihn nicht wahr; sie schliefen fest. Die Katzen führten offensichtlich ihren Traum auf! Die Aktivitäten der träumenden Katzen ließen Jouvet vermuten, dass in ihren Träumen katzenexistenzspezifische Aggressionen und Ängste vorherrschen, weniger oder gar nicht angenehme Inhalte. Der Selektionsvorteil von REM-Träumen – so schloss Jouvet – bestehe darin, dass sie eine Art Realitätssimulator darstellten, der es träumenden Tieren und vielleicht auch Menschen ermögliche, risikolos für die raue und bedrohliche Wirklichkeit zu üben.
Was aber wäre, wenn Träume weder etwas bedeuteten noch eine Funktion hätten? Wenn sie eine zufällige Abfolge bewegter Bilder wären, ein Nebenprodukt anderer physiologischer Vorgänge – so, wie die weiße Farbe unserer Knochen keine Funktion hat, sondern sich aus dem Umstand ergibt, dass Knochen vorwiegend aus Calciumcarbonat bestehen? Die amerikanischen Psychiater und Traumforscher Robert McCarley und Allan Hobson vertreten die sogenannte „Aktivierungs-Synthese-Hypothese“. Nach dieser ist das Gehirn im REM-Schlaf damit beschäftigt, Gedächtnisinhalte umzusortieren und zu löschen. Dies ist mit neuronaler Aktivität vor allem des Hirnstamms und des Pons – zweier entwicklungsgeschichtlich sehr alter Gehirnabschnitte – verbunden; höhere Bereiche des Gehirns nehmen das wahr und versuchen, dieses neuronale Rauschen zu interpretieren. Unser Gehirn ist so gebaut, dass es Informationsinputs in einem fort nach Mustern filtert und versucht, in ihnen einen Sinn zu erkennen; die vermeintlichen Muster werden in der Folge zu mehr oder weniger logischen Handlungssequenzen angeordnet. So führen die zufälligen neuronalen Aktivitäten während des Schlafs zu Träumen. Im REM-Schlaf ist in erster Linie das limbische System aktiv. Dessen Hauptfunktion sind Produktion und Verarbeitung von Emotionen. Hier liegt vermutlich die Ursache für die meist hohe Emotionalität von REM-Träumen.
Wie alt ist Träumen?
Zumindest für das REM-Träumen lassen sich Vermutungen anstellen, wie alt es ist: nämlich nicht älter als der REM-Schlaf. Wann der von der Evolution „erfunden“ wurde, lässt sich cum grano salis bestimmen, indem man schaut, welche nächsten Verwandten von Lebewesen mit REM-Schlaf keinen REM-Schlaf haben. Nahezu alle Höheren Säugetiere und die Beuteltiere schlafen mit REM-Phasen. Die nicht zu den Höheren Säugetieren gehörenden eierlegenden Kloakentiere (Schnabeltier und Schnabeligel) aber schlafen ohne REM-Phase. Die phylogenetische Aufspaltung zwischen diesen beiden Tiergruppen fand vor ca. 150 Millionen Jahren in der Kreidezeit statt. Hier gingen auch die Gehirnentwicklungen unterschiedliche Wege. Das zunehmende Wachstum der vorderen Großhirnrinde – des modernsten Teils des Säugerhirns – bei Höheren Säugetieren stieß an seine Grenzen, weil die in der Folge größer werdenden Köpfe der Föten nicht durch den Geburtskanal passten. Dadurch waren Gehirnleistung und -kapazität begrenzt. Dennoch wurde eine Zunahme der Gehirnleistung im Zuge zufälliger Mutationen erreicht, aber nicht, indem das Gehirn vergrößert wurde, sondern indem das Gehirn die Fähigkeit erhielt, Speicherinhalte neu zu ordnen, und zwar während des Schlafs: Der REM-Schlaf war entstanden und mit ihm – weil es beim Neuordnen der Speicherinhalte zum „neuronalen Rauschen“ kommt – das REM-Träumen.
[Dr. Christian Wetz ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Oldenburg für Neues Testament und habilitierte sich zum Thema “Evolutionäre Psychologie des neuen Testaments“ - In: welt und umwelt der bibel 3/2019]
Humor II
Eines Tages fragt ein Mann den lieben Gott. „Gott, was ist für dich ein Jahrhundert?“ „Nur eine Sekunde,“ antwortet der liebe Gott. „Und was ist für dich eine Million?“ „Nur ein Pfennig.“ „Würdest du mir dann einen Pfennig geben?“, fragt der Mann. „Natürlich,“ sagt der liebe Gott, „warte bitte eine Sekunde.“
Das waren unsere Gottesdienste im Oktober:
Unsere Gottesdienste im November:
TICKETS AB SOFORT BEI KHUN JACK IM BZP


















