Liebe Schwestern und Brüder in Christo,
ein ereignisreicher Monat Oktober liegt nach den mittlerweile weitgehend überstandenen Hochwassersituationen der letzten Tage vor uns. So freuen wir uns alle auf unser alljährlich stattfindendes Oktoberfest im Begegnungszentrum, für das noch einige Tickets mit und ohne Essen erhältlich sind. First come, first serve. Am kommenden Sonntag wird beim Erntedankgottesdienst ein Presseteam der Neuen Züricher Zeitung anwesend sein. Der Besuch schließt eine Reihe von Interviews ab, die ich dem Südostasien-Korrespondent der NZZ in den letzten Monaten gegeben habe und Teil eines größeren Portraits über die Arbeit unserer Gemeinde und des Begegnungszentrums sein. Atemtherapeut Christoph weilt für kurze Zeit in Pattaya und bietet einmalig ehrenamtlich eine Atemtherapie in der Gruppe am Mittwoch, den 14.10. an. Der zweite Teil von Dietmars altersgerechten Mobilitätstraining mit Tai Chi Elementen folgt dann am 23.10.
Allen Zugvögeln, die sich in den kommenden Tagen und Wochen auf den Weg nach Pattaya begeben, wünsche ich eine stressfreie Anreise. Bleibt behütet und seid gesegnet,
Ihr und euer Pastor Peter
Unser jährlicher Ehrenamtler-Brunch im Casa Pascal
Zu Beginn der neuen Saison werden die aktivsten unter unseren zahlreichen Ehrenamtlern, sofern sie dann schon wieder oder noch in Thailand sind, zu einem ausgiebigen Brunch eingeladen. In diesem Jahr haben Pascal Schnieder und sein Team vom Casa Pascal ein tolles Brunch-Buffet zusammengestellt. Wir danken im Namen aller Teilnehmer für die regelmäßige Unterstützung unserer gemeinnützigen Arbeit!
Pastor Peter beim Empfang der Deutschen Botschaft in Bangkok
Trotz der widrigen Wetterumstände fand der alljährliche Empfang der deutschen Botschaft zum “Tag der deutschen Einheit” wie geplant statt. So ergab sich gestern die Möglichkeit, den neuen deutschen Botschafter Herrn Michael Reiffenstuel, persönlich kennenzulernen. Der Botschafter hat einen baldigen Besuch unseres Begegnungszentrums Pattaya avisiert. Neben Prime Minister Anutin nahmen im Capella Hotel zahlreiche Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft an diesem schönen Event teil.
Unser Kantor Dietmar hat an 24.09. den ersten Teil seines morgendlichen altersgerechten Mobilitätstraining den anwesenden Teilnehmern vorgestellt, der zweite Teil mit mit Tai Chi Elementen folgt dann Ende Oktober.
Unsere Gottesdienste im September
Unsere nächsten Gottesdienste
Unsere Events im Oktober
Humor I
Ein Pastor sagt zu seinen Konfirmanden: „Nächste Woche möchte ich über die Sünde der Lüge sprechen. Damit ihr am Sonntag meine Predigt besser versteht, bitte ich euch alle, bis dahin einmal Markus 17 zu lesen.“ Am folgenden Sonntag vor der Predigt fragte er die Konfirmanden, wie viele von ihnen Markus 17 gelesen hatten. Als nahezu alle die Hand hoben, lächelte der Pastor und sprach: „Markus hat nur 16 Kapitel. Hórt also alle gleich gut zu, wenn ich in meiner Predigt über die Sünde der Lüge spreche ...“
Kardinal Müller: Ermahnung zur parteipolitischen Neutralität
“Einige befremdliche Äußerungen deutscher Bischöfe anlässlich der Wahlen in Bund, Ländern und Kommunen bedürfen der Klarstellung aus theologischer Sicht. Es ist daran zu erinnern, dass die Apostel und ihre Nachfolger im Bischofs- und Priesteramt von Jesus eingesetzt sind um in der Kraft den Heiligen Geistes allen Menschen das Evangelium vom universalen Heilswillen Gottes zu verkünden, die Sünder zur Umkehr zu berufen und ihnen in der Taufe und den anderen Sakramenten das neue Leben in Gottes Gnade zu vermitteln. Sie dürfen also keineswegs ihre geistliche Vollmacht in dem legitimen Kampf um die Mehrheit der Wählerstimmen in einem demokratischen Rechtsstaat, wie es die Bundesrepublik Deutschland gemäß ihrer Verfassung ohne Zweifel ist, zu Gunsten oder zu Ungunsten einer einzelnen politischen Partei in die Waagschale werfen. Das wäre Missbrauch der geistlichen Autorität zu politischen Zwecken.
Historisch betrachtet hat die machtpolitische Einflussnahme der Bischöfe zu Lasten ihrer geistlichen Autorität immer die wahre Sendung der Kirche zum ewigen Heil und zur Vermittlung jedes Menschen in die personale Unmittelbarkeit zu Gott verdunkelt. Der Kirche geht es nicht um die politische Macht, sondern um Gottes Gnade und Wahrheit, wie es aus der Gerichtszene Pilatus contra Jesus mit unleugbarer Gewissheit hervorgeht. Von einer illegitimen Einmischung in den Wahlkampf zu unterscheiden ist die notwendige Applikation moralischer Prinzipien auf die Politik aufgrund der fundamentalen Wahrheit, dass der Staat für die Bürger da ist und nicht umgekehrt. Vor allem die Bischöfe und Priester, aber auch alle Christgläubigen, sind in ihrem Gewissen dazu aufgerufen, die grundlegendenden Menschenrechte gegen atheistische und antihumane Ideologien und pure Machtansprüche von tollwütigen Potentaten zu verteidigen. […]
Deshalb lehnt die Kirche aufgrund der Offenbarung Gottes in Jesus Christus jede auf- oder abwertende Einteilung der Menschen in Stände, Klassen, Kasten und Rassen grundsätzlich ab. Einer einzelnen Partei und ihren Wählern von vornherein völkisches Rassedenken zu unterstellen, ist dagegen eine unbewiesene Tatsachenbehauptung. Denn es ist schwer oder gar nicht nachzuvollziehen, dass Millionen unserer deutschen Mitbürger sich eine solche wahnsinnige Ideologie, die eklatant gegen das natürliche Sittengesetz und das christliche Menschenbild verstößt, zu eigen gemacht hätten. Wenn dies zuträfe, wäre dies auch eine Anklage gegen die Kirche (in den Familien, den Pfarreien und im Religionsunterricht), dass sie in ihrem geistlichen Auftrag die Gewissen zu bilden schwerstens versagt hätte. Ein katholischer Bischof, von dem man erwartet, dass er die Lehre der Kirche nicht nur kennt, sondern sie auch richtig darstellen kann, darf also auf keinen Fall den „Verlust von AfD-Wählern“ in Kauf nehmen, die sich aufgrund seiner rein hypothetischen Mutmaßungen von der Kirche, die im Glauben ihre Mutter ist, missverstanden, verraten und abgestoßen fühlen. Die Kirche ist die Gemeinschaft derer, die an Jesus Christus, den Sohn Gottes, glauben, der für uns alle Mensch geworden ist und der uns durch seinen Tod am Kreuz und seine Auferstehung von den Toten für immer in die Lebensgemeinschaft mit dem dreifaltigen Gott der Wahrheit und der Liebe aufgenommen hat. […]
Die geistliche Vollmacht erstreckt sich aber nicht auf das Wahlverhalten derjenigen katholischen Mitbürger, die lediglich von den parteipolitischen Präferenzen eines andern Katholiken abweichen, der zwar als Bischof und Priester im geistlichen Amt sein Hirte und Seelsorger ist, der aber auf der Ebene der Politik und der freien Wahlen ein gleichberechtigter Bürger ist wie er selbst. Bei einer demokratischen Wahl hat jeder Katholik das Recht derjenigen Partei seine Stimme zu geben, der er zutraut die Probleme des Landes besser zu lösen als andere Parteien, vorausgesetzt, dass die demokratisch zu wählende Regierung nicht zu unmoralischen Mitteln greift oder mit ihnen liebäugelt. Ein Bischof der katholischen Kirche soll ein guter Hirte sein, der besorgt ist, dass die ihm anvertrauten Gläubigen durch ein Leben in der Nachfolge Christi das ewige Heil erlangen. Welche Partei die Mehrheit erringt, soll er getrost den Wählern überlassen und den Schutz der Demokratie den dafür zuständigen staatlichen Organen.
Hüter der Demokratie ist im Namen des Volkes das Bundesverfassungsgericht, die Bischöfe hingegen sind in Christi Namen Hirten der Seelen und Vorbilder der Herde Gottes. Zu seinen Aufgaben kann man auch rechnen, dass er die Kontrahenten ermahnt, sich nicht als Feinde zu behandeln, sondern als Mitmenschen zu respektieren, damit der Grundkonsens der demokratischen Gesellschaft nicht aufgelöst wird. Für den Machterhalt einer auf Zeit gewählten Regierung oder den Machtanspruch von Parteien und Parteienbündnissen darf ein Bischof niemals das ewige Heil derjenigen Katholiken gefährden, die nicht so wählen, wie er es gerne hätte. Es ist ein schweres Ärgernis, wenn Bischöfe und Priester, katholische Verbände und Einrichtungen in einer Reihe mit politisch-ideologischen Agitatoren auftreten oder auch nur genannt werden, weil dann die Kirche sich wie ein politische Akteurin präsentiert und damit ihre Sendung verrät Sakrament des universalen Heilswillens Gottes zu sein.”
[Anm. der Redaktion: Diese Form von geistlichem Klartext ist leider von der woken rot-grünen Propagandatruppe namens EKD (Evangelische Amtskirche) nicht zu erwarten. Während offensichtlich zumindest in Rom noch zwischen den Aufgaben der Politik und der Kirche unterschieden wird, hat in Hannover die geistliche Verwesung ein irreversibles Ausmaß erreicht.]
Humor II
Jesus, Moses und ein älterer Herr spielen Golf. Jesus schlägt als erster ab und spielt seinen Ball in einen Teich. Ungestört schreitet er über das Wasser und spielt mit seinen zweiten Schlag direkt aufs Grün. Moses macht seinen Abschlag und spielt ebenfalls in den Teich. Er geht hinüber zum See, steht davor, das Wasser teilt sich, und er setzt sein Spiel fort mit einem Schlag direkt aufs Grün. Schließlich ist der ältere Herr an der Reihe. Er spielt ebenfalls in Richtung See, aber als der Ball fast die Oberfläche berührt, springt ein Lachs aus dem Wasser und schnappt sich den Ball. Bevor jedoch der Fisch ins Wasser zurückfallen kann, stürzt sich ein Adler herunter und fängt den Lachs. Der Adler fliegt über das Grün, lässt den Fisch fallen und als dieser auf das Grün fällt, verliert er den Ball, der sodann ins Loch rollt. Jesusdreht sich zu dem älteren Herrn um und sagt: „Wenn Du nicht aufhörst zu schummeln, spielen wir nächstes Mal ohne Dich, Papa!“
Vom Birnendieb zum Kirchenvater - Teil II
Augustinus war einer der einflussreichsten Theologen und Philosophen der Spätantike: Seine Werke prägten das abendländische Denken und gaben einen entscheidenden Anstoß für die Reformation. Sein Lebensweg aber war alles andere als geradlinig.
Die Gartenszene, zentraler Abschnitt in den „Bekenntnissen“, wurde nicht selten als literarische Stilisierung verworfen, fand aber ebenso oft bewegte Leser, die ihre Historizität verteidigten. Für Augustinus war damit auch die von seiner Mutter eingefädelte Verlobung mit einem minderjährigen Mädchen geplatzt, derentwegen ihn seine langjährige Konkubine enttäuscht verlassen hatte. In den „Bekenntnissen“ deutete allerdings der in seiner männlichen Ehre verletzte Verfasser an, er sei es gewesen, der ihr den Laufpass gegeben habe. Auch seine Professur legte er nieder, weil ihn seit einiger Zeit ein hartnäckiges Brustleiden quälte. Ein Erholungsaufenthalt in Cassiciacum, einem Landgut bei Mailand, bot ihm die Gelegenheit, mit den begleitenden Angehörigen und Freunden tiefsinnige Gespräche zu führen und ihnen ihr verborgenes Wissen zu entlocken. In Platons Dialogen hatte Sokrates diese „Hebammenmethode“ vorgemacht. Neu gestärkt begann er, mehrere philosophische Schriften zu verfassen. Wieder in Mailand ließ er sich an Ostern 387 zusammen mit seinem Sohn und mit Alypius von Ambrosius taufen. In Mailand sah Augustinus keine Zukunft mehr; daher beschloss er, nach Thagaste zurückzukehren. Nach dem Vorbild des blühenden Mönchtums in Syrien und Ägypten wollte er in seinem Elternhaus eine Klostergemeinschaft gleich gesinnter Freunde gründen. Monnica hätte sich darüber gefreut, aber sie war auf dem Rückweg gestorben.
Die neue Klosterfamilie, zu der Alypius gehörte, lebte unter ihrem Leiter Augustinus von dem Besitz, den jedes Mitglied einbrachte. Gemeinsames Gebet und gemeinsame Mahlzeiten gehörten zum regelmäßigen Tagesablauf. Solange die Gemeinschaft klein war, brauchte es keine schriftlichen Festlegungen. Die sogenannte Augustinusregel entstand erst später. War es 391 Zufall oder ein weiterer Wink Gottes, dass er bei einem Besuch in Hippo Regius den dortigen Christen auffiel, weil er in der Stadt ein zweites Kloster gründen wollte? Sie suchten nämlich einen Helfer für ihren Bischof, einen Griechen, dessen mühselige lateinische Predigten ihren Ohren wehtaten. Belehrungen und moralische Ermahnungen wirkten schließlich besser, wenn man dem Redner mit Genuss zuhörte. Daher empfahlen sie dem Bischof den ehemaligen Rhetorikprofessor. Der zierte sich erst ein wenig, gab dann aber nach und ließ sich vom Bischof zum Priester weihen. Während seiner Mönchsgemeinschaft in Thagaste fortan Alypius vorstand, verwirklichte er seinen Plan und gründete neben der Bischofskirche ein neues Kloster.
Die Hafenstadt Hippo Regius, das heutige Annaba in Algerien, war allerdings ein hartes Pflaster. Neben Katholiken, Arianern und Heiden gab es dort auch eine blühende Gemeinde von Donatisten. Deren Vorfahren hatten sich mit der katholischen Kirche überworfen, weil sie ihnen in der letzten großen Christenverfolgung von 303 bis 311 nicht standhaft genug geblieben war. Seitdem hatten sich vor allem in Nordafrika die Fronten verhärtet, und donatistische Schlägerbanden, die Circumcellionen, prügelten manchen katholischen Bischof blutig. Auch die Manichäer hatten in Hippo viele Anhänger. Gegen deren renommierten Vorsteher trat Augustinus zu einem öffentlichen religionspolitischen Schlagabtausch in den Ring und blieb Sieger. Sein scharfer philosophischer und theologischer Verstand sprach sich herum, und als 395 der amtierende Bischof von Hippo starb, musste man den Nachfolger nicht lange suchen. Schon vorher hatte Augustinus mit Bischof Aurelius von Karthago, dem Metropoliten der nordafrikanischen Diözesen, Freundschaft geschlossen. Künftig kämpften die beiden gemeinsam gegen die inneren und äußeren Feinde der Kirche. Unermüdlich schuf Augustinus dazu die theologischen Grundlagen. Oft schrieb er die Nächte durch und setzte bei Sonnenaufgang auf dem letzten ihm verbliebenen Papyrusblatt noch den regen Briefwechsel fort, den er mit christlichen Freunden und heidnischen Gegnern führte. Zwischen 397 und 401 verfasste er die „Bekenntnisse“, seine Lebensbeichte in 13 Büchern. Eine solche Autobiografie, die das Seelenleben ihres Verfassers offenlegte, hatte es bisher nicht gegeben. Reumütig erinnerte sich Augustinus im zweiten Buch, wie er die Kameraden angestiftet hatte, den Birnbaum leer zu plündern, statt sich lediglich satt zu essen. Was trieb ihn damals an? Hat der Mensch nicht neben seinen guten Eigenschaften eine Neigung zum Bösen?
Es muss eine Erbsünde geben, seit Adam und Eva im Garten Eden vom Baum der Erkenntnis gegessen hatten und aus dem Paradies vertrieben worden waren, erkannte Augustinus: Allein göttliche Gnade konnte die eigentlich von Geburt an verlorenen Menschen retten. Darüber führte er später mit dem Mönch Pelagius und dessen Anhängern eine erbitterte Fehde. Neben dem Manichäismus blieben die Häresien Pelagianismus, Donatismus und Arianismus die Feinde, gegen die er seine Kirche bis zum Tod hartnäckig verteidigte, etwa mit seinem 15 Bücher umfassenden Werk „Über die Trinität“. Hilfreich dabei waren die antihäretischen Religionsgesetze der katholischen theodosianischen Kaiserdynastie. Eine neue Herausforderung traf Augustinus im Jahr 410, als der Gote Alarich Rom eroberte und dem Römischen Reich einen Schock versetzte. Wo war der Gott der Christen geblieben, die ihm in der Stadt so viele Kirchen errichtet und ihn um Rettung angefleht hatten? Höhnisch hielten ihnen die Heiden vor, dass ihre Götter 800 Jahre lang Rom vor fremden Feinden bewahrt hätten. Das Unglück sei über sie gekommen, als immer mehr Menschen von der Väterreligion abgefallen und zum Christentum übergelaufen seien. Es war eine gefährliche Attacke, und sie erschien historisch kaum abweisbar. Augustinus musste antworten. Auch viele Glaubensgenossen erwarteten von ihm den Gegenangriff. Er führte ihn in den 22 Büchern „Vom Gottesstaat“, an denen er von 413 bis 427 arbeitete. Schon vorher skizzierte er seine geistliche Marschroute in Predigten, die er in Hippo und Karthago hielt, wo verängstigte Flüchtlinge aus dem Norden Zuflucht gesucht hatten.
In den ersten zehn Büchern seines größten Werkes wies er nach, dass der Christengott Rom geschützt hatte, gegen die heidnischen Götter – weil er das Imperium für seinen Weltplan brauchte. Augustinus entwarf eine christliche Geschichtsphilosophie, nach der jede historische Entwicklung eine Offenbarung göttlichen Willens ist. Am Ende der Weltgeschichte steht danach das Jüngste Gericht, mit welchem die Zeit endet und in dem jeder seinen Platz entweder bei Gott oder in der Hölle zugewiesen bekommt. Dieses Geschichtsgebäude war so eindrucksvoll, dass sich kommende Jahrhunderte darin einrichten konnten. Sein Strom frommer Publikationen versiegte daneben nicht. Ebenso wenig vernachlässigte er seine Pflichten als Seelsorger, bei dem die Besucher Schlange standen, als Prediger in Hippos und Karthagos Kirchen, als Abt seines Klosters und als Wortführer auf den nordafrikanischen Konzilien. Wurde er mit Missständen konfrontiert, stürzte er sich in den Kampf: gegen Folter und Todesstrafe, gegen Sklavenjäger und Menschenschinder, selbst wenn sich ein Bischof schuldig gemacht hatte. Er intervenierte bei hohen Beamten in der Hoffnung mit seinem guten Namen werde es ihm gelingen, wenigstens in Einzelfällen das Elend in der Welt zu lindern, allen Rückschlägen zum Trotz. Er schonte sich nicht, obwohl der Raubbau an seiner Gesundheit ihn immer wieder für Tage lähmte. Klugerweise sorgte er 426 für einen Nachfolger auf dem Bischofsstuhl.
Drei Jahre später traf in Hippo eine Schreckensbotschaft ein: 80 000 Vandalen hatten die Meerenge von Gibraltar überquert. Plündernd und mordend wälzte sich der Heereszug die Küste entlang nach Osten. Im Juni 430 erreichte er Hippo, hinter dessen Mauern sich Flüchtlinge und geschlagene römische Soldaten drängten. Verzweifelt richteten sich viele Augen auf Augustinus. Er half, wo er konnte. Aber für den 76jährigen war die Anstrengung zu groß. Nach zwei Monaten brach er zusammen. Als er, bis zuletzt bei klarem Verstand, sein Ende nahen spürte, ließ er seinem Bett gegenüber die Bußpsalmen an die Wand heften und betete immer wieder. „Aus den Tiefen rufe ich, Herr, zu dir, Herr, höre auf meine Stimme!“.
Augustinus starb am 28. August 430 im Kreis seiner Mitbrüder. Unter den Trauernden war Possidius, ein Bischof und früheres Klostermitglied, der vor den Barbaren geflohen war. Er schrieb wenige Jahre später die Biografie seines Freundes. Als sich die Vandalen 431 vor einem römischen Entsatzheer zurückzogen, waren Hippos Christen überzeugt, Augustinus habe im Himmel ein gutes Wort für sie eingelegt und Gott habe seine Bitte erhört. 434 wurde Hippo doch Opfer der Vandalen. Die flüchtenden Christen überführten den Sarg mit ihrem berühmtesten Mitbürger nach Sardinien. Auch seine Bibliothek nahmen sie mit. Die letzte Ruhestätte fand der Tote im 8. Jahrhundert in Pavia. Bis heute hält die Wirkung seiner Schriften an. Nie war sie folgenreicher als im Jahr 1517, nachdem der Apostel Paulus und dessen Interpret Augustinus den Augustinermönch Martin Luther endgültig von Gottes unverdienter Gnadenfülle überzeugt hatten. In der 37. These seines Klosterbruders Martinus hätte sich Augustinus wohl wiedererkannt: „Jeder wahre Christ, ob lebendig oder tot, hat an allen Gütern Christi und der Kirche teil, die ihm Gott geschenkt hat, auch ohne Ablassbrief“. Gut 100 Orden lebten im Lauf der Jahrhunderte nach Augustinus’ Klosterregel. Derzeit gibt es 5 Männer- und 13 Frauenorden, die sich nach ihm benennen. 13 Augustinus-Institute beschäftigen sich mit seinem Werk und publizieren ihre Erkenntnisse in ebenso vielen Zeitschriften, die seinen Namen im Titel führen. Eine neue zweisprachige Ausgabe seiner Schriften soll am Ende 130 Bände umfassen. Und nicht zu zählen sind die Kirchen, deren Patron er ist. Keine andere Persönlichkeit der Antike, weder Alexander der Große noch Caesar, weder Augustus noch Konstantin der Große, ist so lebendig geblieben wie Augustinus.
[Von Klaus Rosen, bis zu seiner Emeritierung Professor für Alte Geschichte an der Universität Bonn, in SPIEGEL GESCHICHTE 6/2017. Siehe auch seine Biografie „Augustinus. Genie und Heiliger“ (2. Auflage 2017, Zabern Verlag).]

















